Was genau ist die Sandbox und warum wurde sie ins Leben gerufen?

Raphael von Thiessen: Der Begriff «Sandbox» löst bei vielen Menschen sehr unterschiedliche Assoziationen aus. Für Leute mit technischem Hintergrund geht es dabei oft um eine technologische Infrastruktur in der Softwareentwicklung. In letzter Zeit wird der Begriff immer mehr auch für regulatorische Testumgebungen verwendet, in denen rechtliche Fragen anhand konkreter Fallbeispielen geklärt werden.

Wir haben ein breites Verständnis: Die Projekte, die in die «Innovation-Sandbox für KI» eingereicht wurden, unterstützen wir mit regulatorischem Know-how. Andererseits werden auch neuartige Datenquellen zur Verfügung gestellt, um innovative KI-Projekte umzusetzen. Das Wichtigste für uns ist, dass sämtliche Ergebnisse öffentlich geteilt werden, um Kompetenzen im Bereich KI aufzubauen.

Die Initiative wurde von Partnern aus Verwaltung, Wirtschaft und Forschung ins Leben gerufen, um den KI-Standort im Bereich verantwortungsvoller Innovation zu stärken.

 

«  Das Wichtigste für uns ist, dass sämtliche Ergebnisse öffentlich geteilt werden, um Kompetenzen im Bereich KI aufzubauen.  »

Im Rahmen der ersten Ausschreibung haben Sie auch ein EdTech-Projekt begleitet. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Bei der ersten Ausschreibung im Frühjahr 2022 sind bei uns 21 KI-Projekte eingegangen. Da KI eine Querschnittstechnologie ist, die jeden Sektor betrifft, waren die Themen äusserst vielfältig. Basierend auf den öffentlichen Selektionskriterien wurden fünf Projekte ausgewählt, darunter eine Anwendung, die basierend auf Bilderkennung handgeschriebene Lerninhalte automatisiert korrigiert.

Dieses konkrete Fallbeispiel diente als Basis, um einen regulatorischen Leitfaden für EdTech-Anbieter und Schulverantwortliche zu erstellen. Das Dokument ist ein Einstiegspunkt für die Verbreitung unterschiedlicher KI-Anwendungen im Bildungsbereich.

Während des Prozesses stellten wir fest, dass die rechtlichen Grundlagen den beteiligten Personen oftmals unklar sind. Wie setzt man ein solches Projekt korrekt auf? Welche Anforderungen gibt es an Personendaten, die bei der Anmeldung zum Tool anfallen? Dürfen EdTech-Anbieter die Daten weiterverwenden, um ihre Algorithmen zu trainieren? Auf solche Fragen bietet der Leitfaden Antworten. Die Zusammenarbeit mit Educa war bei der Erarbeitung der Inhalte sehr wertvoll, da wir auf bereits vorhandenes Know-how aufbauen konnten. Wir planen, das Thema KI in der Bildung in gemeinsamen Initiativen weiter zu vertiefen.

Wie geht es mit der Sandbox weiter: Können Sie uns einen kurzen Ausblick geben?

Wir schliessen nun sämtliche fünf Sandbox-Projekte ab und werden uns eine Zeit lang auf den Know-how-Transfer in Verwaltung, Wirtschaft und Forschung konzentrieren. Im Frühjahr 2024 ist dann eine zweite schweizweite Ausschreibung geplant, bei der neue Projekte generiert werden sollen. Wir freuen uns darauf, das Thema KI in der Bildung weiter voranzutreiben, denn es hat eine hohe Relevanz für den gesamten Innovationsstandort.

 

Gesprächspartner

Projektleiter Sandbox, Standortförderung AWA Kanton Zürich
Raphael von Thiessen
Projektleiter Sandbox
Standortförderung AWA Kanton Zürich

ähnliche Beiträge

Um die künftige Datennutzungspolitik für den Bildungsraum Schweiz zu entwickeln, haben wir ein Programm für Datennutzungsprojekte geschaffen. Wir haben die Beteiligten gefragt, warum sie Interesse haben an unserem Programm mitzuwirken.

Daten über Bildung und Lernen entstehen auf vielfältige Art und Weise. Warum die Sichtbarmachung dieser digitalen Datenflüsse hilft, Entwicklungspotenziale zu identifizieren, beantwortet uns David. H. Schiller, Professor an der Fachhochschule Graubünden und Leiter des Forschungsprojekts «Digitale Bildungsdatenwege».

Unsere neue Podcast-Serie widmet sich dem Thema «Daten im digitalen Bildungsraum». Die erste Episode dieser Serie gibt Antworten auf die Fragen: Was sind Datenflüsse; wieso sind sie wichtig und was können wir aus Datenflüssen lernen?

Durch die Zusammenarbeit mit Datennutzungsprojekten können wir anhand von konkreten Fällen aus der Praxis das Ökosystem «Bildungsdaten» ausleuchten und Lösungsansätze im Spannungsfeld der verschiedenen Anspruchsgruppen testen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Trotz aller Heterogenität beschäftigen die gleichen Fragen.