Im Rahmen der Entwicklung einer Datennutzungspolitik arbeiten wir mit unterschiedlichen Projekten zusammen. Dies ermöglicht uns, die verschiedenen Bedürfnisse und vielfältigen Interessen, die im Umgang mit Daten aufeinandertreffen, auszuleuchten und zu analysieren. Wir haben die beteiligten und potentiellen Projekte zu ihrer Motivation und ihren Erwartungen an unsere Zusammenarbeit wie auch an die künftige Datennutzungspolitik befragt.

Was hat euch dazu bewegt, euch beim Programm für Datennutzungsprojekte zu bewerben?

Kenneth Horvath, Leiter des Forschungsprojekts «Algorithmic Sorting in Education» der PH Zürich: Im Fokus unseres Forschungsprojekts stehen Technologien, die sich derzeit in der Phase ihrer Entwicklung und ihrer ersten Erprobung im schulischen Alltag befinden. Uns motiviert dabei das Anliegen, früh zu erkennen, an welcher Stelle neue Technologien – etwa künstliche Intelligenz – ungewollt zu Benachteiligungen führen können. Das führt unmittelbar zur Frage, wie welche Arten von Daten genutzt werden können und sollen, um solchen Effekten entgegenzuwirken. Unsere empirische Forschung kann dafür Anhaltspunkte liefern.

David Schiller, Projektleiter «Digitale Bildungsdatenwege» des Virtual Educational Observatory der FH Graubünden: Daten bilden die Grundlage für Informationsangebote und Wissensgenerierung. Eine koordinierte Handhabung von Daten und öffentlich sichtbare Strukturen sind für eine sinnvolle Datennutzung essenziell. Dafür ist es von Bedeutung, Datenwege sichtbar zu machen und ein klareres Verständnis von Nutzen und Schutzbedarf zu schaffen. Eine Entwicklung unserer eigenen Projektideen in Kooperation mit Educa ist zielführend. Insbesondere ist das Programm für die Vernetzung und die Sichtbarmachung von Ergebnissen wichtig.

«  Datenwege sichtbar machen und ein klareres Verständnis von Nutzen und Schutzbedarf schaffen  »

David Schiller, FH Graubünden

Welche Erfahrungen habt ihr bisher durch die Teilnahme am Programm gemacht?

Kenneth Horvath: In der bisherigen Zusammenarbeit waren wir beeindruckt davon, wie vielschichtig und umsichtig das Vorhaben «Datennutzungspolitik» angegangen wird. Unsere gemeinsamen Sitzungen haben uns immer wieder neue Ideen und Ansatzpunkte für unsere Forschung geliefert. Sie erlauben uns jedes Mal von Neuem, über die konkreten Implikationen unserer Forschung und unserer Befunde nachzudenken.

Simon Schmid, Innovator von Profolio: Das Programm hat uns bisher geholfen, die richtigen Fragen zu adressieren und Lösungen zu suchen oder gar zu finden, damit ein sicherer Betrieb von Profolio für alle Beteiligten möglich ist. Besonders wichtig ist, dass die Hoheit der Daten immer bei den Jugendlichen selbst liegt und sie bestimmen, was mit ihren Daten passiert. In den bisherigen Workshops haben wir gemeinsam mit unseren Entwicklern aus Zürich und Basel mögliche Schwachstellen und Herausforderungen erkennen und Massnahmen ableiten können. Der Umgang mit besonders schützenswerten Daten bringt viel Verantwortung mit sich. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst und tragen diese mit entsprechendem Respekt. Dank Educa wurde uns aufgezeigt, wie wir als kleines Familienunternehmen die Anforderungen von Datenschutz und Datennutzung fokussiert im Zusammenspiel mit der Bildungsverwaltung angehen können.

«  ... wie [ ... ] die Anforderungen von Datenschutz und Datennutzung fokussiert angehen  »

Simon Schmid, Profolio

Warum würden Sie gerne als privater Dienstleitungsanbieter am Programm teilnehmen?

Oliver Dlabač, Entwickler des intelligenten Schulzuteilungstools isa und Gründer des Forschungs- und Beratungsunternehmens Ville Juste: Als Entwickler des intelligenten Schulzuteilungstools isa spüre ich in Gemeinden immer wieder Unsicherheiten, inwiefern die kommunalen Steuerämter der Schulverwaltung kleinräumig aggregierte Indikatoren zur Verfügung stellen dürfen. Nach Datenschutzabklärungen und diversen Gesprächen zeigte sich, dass der Einsatz sowohl der schuleigenen Daten sowie der aggregierten Steuerdaten nicht nur rechtens, sondern auch erforderlich ist, um der kantonalen Vorgabe ausgewogen zusammengesetzter Schulen und Klassen gerecht zu werden. Durch eine Teilnahme am Programm wäre es möglich, die gemachten Erfahrungen zu dokumentieren und anhand des Fallbeispiels aus dem Kanton Zürich aufzuzeigen, dass auch Steuerdaten bei entsprechender Anonymisierung und in aggregierter Form für gewisse Zwecke sinnvoll eingesetzt werden können und auch sollten. Es kann nicht sein, dass lediglich grosse Städte wie Zürich über kleinräumige Indikatoren für ein Monitoring sozialräumlicher Entwicklungen verfügen.

«  Kleinräumig aggregierte Indikatoren nutzen können  »

Oliver Dlabač, Ville Juste

Welche Erwartungen haben Sie an eine schweizweite Datennutzungspolitik für den Bildungsraum?

Kenneth Horvath: Unsere Hoffnung und Erwartung ist, dass bei der Gestaltung einer Datennutzungspolitik nicht nur an Datenschutz & Co., sondern auch an Fragen der Bildungsgerechtigkeit gedacht wird. Dazu ist es erstens notwendig, die Perspektiven, Erfahrungen und Anliegen vieler Beteiligter zu berücksichtigen. Zweitens und damit zusammenhängend halten wir es für entscheidend, dass sozial- und bildungswissenschaftliche Forschung aktiv einbezogen wird.

«  Auch an Fragen der Bildungsgerechtigkeit denken  »

Kenneth Horvath, PH Zürich

Welche Themen uns in der Zusammenarbeit mit den Datennutzungsprojekten beschäftigen und welche Erfahrungen wir gewinnen, stellen wir im Beitrag «Regulierungsfrage beschäftigt im Umgang mit Daten» näher vor.

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